Rettungspaket: Wenig Licht, viel Schatten für Tourismuswirtschaft

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29.05.2020

Rettungspaket: Wenig Licht, viel Schatten für Tourismuswirtschaft

Presseinformation der Tourismuswirtschaft

Rettungspaket: Wenig Licht, viel Schatten für Tourismuswirtschaft

Direkte Finanzhilfen und Mehrwertsteuersenkung sind kleiner Schritt, um Existenzen
und Arbeitsplätze zu sichern * Zu vielen touristischen Unternehmen droht allerdings
weiterhin der Kollaps


Berlin, 4. Juni 2020 –
Die Tourismuswirtschaft bewertet das „Konjunkturpaket“ im Zuge der
Coronakrise skeptisch: Es enthält einige kleinere positive Elemente, ist aber nicht der
angekündigte große Wurf. Dass die lange geforderten direkten finanziellen Beihilfen für
besonders betroffene Branchen und damit auch die Tourismuswirtschaft Einzug in das von
der Bundesregierung geschnürte Konjunkturpaket gefunden haben, ist begrüßenswert.
Gleiches gilt für die temporäre Mehrwertsteuersenkung bis Ende des Jahres. Ob die
Maßnahmen jedoch die gewünschte Wirkung entfalten, ist zweifelhaft. Viele Fragen müssen
noch geklärt werden, und was weiterhin völlig fehlt, ist eine Lösung für die
Kundengeldrückzahlungen der in der Coronakrise stornierten Veranstalterreisen. Insgesamt
verkennt die Politik weiterhin die dramatischen Auswirkungen der Pandemie auf den
gesamten Tourismus. Die Große Koalition muss deutlich nachbessern.

Im Einzelnen bewertet die Tourismuswirtschaft die beschlossenen und fehlenden
Maßnahmen wie folgt:

Tourismus in Deutschland stand über Wochen aufgrund der politischen Vorgaben still und tut
es in vielen Segmenten immer noch. Selbst in den Branchenteilen, die unter Auflagen nun
wieder starten durften, sind die Umsatzausfälle aufgrund der Auflagen weiterhin immens. Die
beschlossenen, nicht rückzahlbaren Überbrückungshilfen sind deshalb überfällig, um
viele Unternehmen unserer Branche vor der fast sicheren Insolvenz und damit auch
Arbeitsplätze zu retten. Die geplanten Summen pro Betrieb reichen allerdings nicht aus.
Überbrückungshilfen für drei Monate greifen zudem in unserer besonders betroffenen
Branche deutlich zu kurz. Hier bleibt eine Ausweitung auf sieben Monate zwingend
notwendig. Spannend bleibt auch die Frage, wer genau alles auf die Gelder zugreifen darf.
Von entscheidender Bedeutung ist, dass die Maßnahmen sehr schnell und unbürokratisch
greifen und zur Auszahlung kommen, um Insolvenzen in diesem Stadium abzuwenden.


Der ergänzend auf den Weg gebrachte
reduzierte Mehrwertsteuersatz kann im zweiten
Halbjahr wichtige Impulse auf Unternehmens- und Kundenseite setzen. Im Tourismus wird er
allerdings nur Wirkung entfalten, wenn die Unternehmen der Tourismuswirtschaft auch
wieder Angebote und damit Umsätze im nennenswerten Umfang machen dürfen. Erste
wichtige Schritte des Wiederanfahrens sind getan, zuletzt auch mit der gestrigen
Ankündigung, die generelle Reisewarnung für Europa in differenzierte Reisehinweise
umzuwandeln. Weitere müssen folgen. Auch die geltenden Auflagen für touristische
Dienstleistungen und Veranstaltungen gilt es, immer wieder zu überprüfen und da, wo es der
Gesundheitsschutz zulässt, zu reduzieren.


Immense Sorgen bereitet der Tourismuswirtschaft, dass das Konjunkturpaket keine Lösung
für die im Zuge der Coronakrise stornierten Reisen beinhaltet. Hiersieht die Politik tatenlos
zu, wie von der Coronakrise massiv betroffene Unternehmen sehenden Auges gegen die
Wand fahren. Sie
brauchen dringend einen ergänzenden kreditbasierten
Rückzahlungsfonds für die geleisteten Kundengelder
. Sonst droht der Kollaps vieler
touristischer Unternehmen und mit ihm aller vorgelagerten Dienstleistungen. Denn
Tourismus mit seinen komplexen Prozessen funktioniert nur als Einheit. Aus dem Fonds
sollten Unternehmen vorübergehend Geld entnehmen können, um ihren Kunden bereits
gezahlte Gelder für pandemiebedingt stornierte Reisen rück zu erstatten. Es geht dabei um

Reisen, die aufgrund der Reisewarnung abgesagt und rückabgewickelt werden mussten. Nur
wenn den Unternehmen diese notwendige Liquidität garantiert wird, kann ihr Überleben
nachhaltig gesichert werden. Und deshalb werden wir nicht nachlassen, einen solchen
Kreditfonds einzufordern.


Michael Rabe
Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft e.V. (BTW)
Jochen Szech
asr Allianz selbständiger Reiseunternehmen – Bundesverband e.V.
Christian Günther
Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland e.V. (BVCD)
Sebastian Worel
Bundesverband der Deutschen Incoming-Unternehmen e. V. (BVDIU)
Christiane Leonard
Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo)
Ingrid Hartges
DEHOGA Bundesverband e.V.
Michelle Schwefel
Deutscher Ferienhausverband e. V
Dirk Inger
Deutscher Reiseverband e.V. (DRV)
Norbert Kunz
Deutscher Tourismusverband e.V. (DTV)
Timo Feuerbach
EVVC Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren e.V.
Petra Thomas
forum anders reisen e.V.
Georg Ziegler
HSMA Deutschland e.V.
Benedikt Esser
RDA Internationaler Bustouristik Verband e.V.
Holger Seidel
Reisenetz – Deutscher Fachverband für Jugendreisen e.V.
Michael Buller
Verband Internet Reisevertrieb e.V. (VIR)